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News-Filter für EAs: High-Impact-Events sicher überstehen

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2026

Warum News-Events EA-Strategien besonders hart treffen

Im normalen Marktbetrieb handelt dein EA nach statistisch robusten Mustern: Spreads liegen im erwarteten Bereich, Kursbewegungen folgen einer gewissen Kontinuität, Slippage bleibt überschaubar.

Bei einem hochrangigen Wirtschaftsdaten-Release wie dem US-Non-Farm Payroll oder einem überraschenden FOMC-Entscheid ändert sich das schlagartig:

Ein Scalping-EA mit 5-Pip-Stop kann in solchen Momenten sein gesamtes tägliches Gewinnpotenzial in einem einzigen News-Trade verlieren.

Was ein News-Filter macht

Ein News-Filter stoppt den EA für ein konfigurierbares Zeitfenster vor und nach definierten Terminen – typischerweise 30–60 Minuten vor und 30–60 Minuten nach der Veröffentlichung.

Je nach Implementierung:

Nicht alle Filter-Ansätze bieten alle drei Optionen. Das Schließen offener Positionen ist aggressiver, aber für eng gestopped Systeme oft notwendig – ein offener Trade mit 5-Pip-Stop überlebt einen NFP-Moment häufig nicht.

Implementierungsansätze in MT4/MT5

Ansatz 1: Eingebauter Kalender-Check im EA

Viele kommerzielle EAs enthalten einen integrierten News-Filter, der auf einen externen Wirtschaftskalender zugreift. Die bekanntesten Quellen:

ForexFactory-Kalender (FF-News-Filter): Der de-facto-Standard in der MQL-Community. Ein freier MQL4/MQL5-News-Filter ruft die ForexFactory-XML-API ab und prüft vor jedem Trade, ob ein High-Impact-Event im definierten Zeitfenster liegt. Nachteil: ForexFactory kann die Schnittstelle jederzeit ändern oder sperren.

Investing.com Economic Calendar: Alternativ, ebenfalls per HTTP-Request im EA abrufbar. Stabilere Infrastruktur, aber leicht komplexere Integration.

Manuell gepflegte Termindatei: Der EA liest eine lokale CSV-Datei mit den nächsten Terminen aus. Kein API-Risiko, aber manuelles Pflegen der Daten erforderlich.

Ansatz 2: Externes News-Filter-Tool (Overlay)

Ein separater EA oder ein Expert-Advisor-Wrapper überwacht alle offenen EAs auf dem VPS und hält sie bei definierten Ereignissen an. Vorteil: Ein einzelner Filter für alle EAs gleichzeitig. Das ist für Multi-EA-Portfolios besonders praktisch.

Ansatz 3: Broker-seitige Pausen

Manche Broker bieten Kontoeinstellungen, die automatisch während bestimmter News-Perioden das Trading einschränken. Das ist selten zuverlässig genug für autonome EA-Systeme.

Konfigurationsparameter: Was du kennen musst

Die meisten News-Filter haben folgende Parameter:

ParameterTypischer WertErklärung
NewsMinutesBefore30–60Minuten vor der Veröffentlichung, ab denen kein neuer Trade
NewsMinutesAfter30–60Minuten nach der Veröffentlichung, bis der EA wieder handelt
NewsImpactHighWelche Impact-Level werden berücksichtigt (High/Medium/Low)
CloseOnNewstrue/falseOffene Positionen vor der News schließen?
NewsPairsEURUSD,GBPUSDNur für bestimmte Paare filtern?

Empfehlung: Beginne mit „High Impact only" und 30/30 Minuten. Erweitere erst dann auf Medium Impact, wenn du analysiert hast, ob diese Events deine Strategie tatsächlich stören.

Die wichtigsten wiederkehrenden High-Impact-Events

Für USD-Paare sind das primär:

Für EUR-Paare:

Für GBP-Paare:

Dein EA muss nur die Events seiner Handelsinstrumente filtern. Ein EA auf EURUSD braucht keinen Filter für australische Zinsentscheide.

News-Filter und Prop-Firms

Viele Prop-Firms haben explizite Regeln gegen News-Trading – insbesondere gegen das Halten offener Positionen durch hochrangige Daten-Releases. Ein fehlender News-Filter kann eine Challenge-Verletzung auslösen, auch wenn kein Trade während der News eröffnet wird, sondern nur gehalten wird.

Prüfe das Regelwerk deiner Prop-Firm genau: Wird nur das Handeln während News verboten, oder auch das Halten offener Positionen? Letzteres erfordert eine aggressivere Filter-Konfiguration mit CloseOnNews = true. Mehr dazu im Guide Prop-Firm-Challenge mit einem EA.

Auswirkungen auf die Backtest-Qualität

Ein kritischer Punkt: Viele Backtesting-Umgebungen bilden News-Events nicht korrekt ab. Der MT5-Strategy-Tester simuliert keine Spread-Explosionen und keine Slippage-Spitzen während Daten-Releases.

Das bedeutet: Ein EA ohne News-Filter sieht im Backtest besser aus als im Livebetrieb. Wenn du den Filter im Live-EA aktivierst, kann die Rendite sinken – weil du profitable Breakout-Trades verpasst – oder steigen – weil du verheerende Verluste vermeidest. Nur ein ausreichend langer Forward-Test zeigt die echte Auswirkung.

Zum Thema sauberes Backtesting und Forward-Testing findest du unseren detaillierten Guide.

Fazit

Ein News-Filter ist für die meisten EAs kein optionaler Luxus, sondern Teil eines vollständigen Risikomanagementsystems. Scalper, Mean-Reversion-Systeme und Grid-EAs können in einem einzigen schlecht gefilterten News-Event Wochenverluste anhäufen. Die Implementierung ist technisch überschaubar – ein ForexFactory-basierter Filter ist in wenigen Stunden integriert. Wer zusätzlich sein Lotgrößen-Risiko pro Trade korrekt konfiguriert und einen zuverlässigen VPS nutzt, hat die wesentlichen Risikofaktoren im EA-Betrieb unter Kontrolle.

Häufige Fragen

Welche News-Events sind für EAs am gefährlichsten?

Non-Farm Payrolls (NFP), FOMC-Zinsentscheide, CPI-Veröffentlichungen, EZB-Zinsentscheide und zentrale BIP-Daten. Diese Events können in Sekunden 50–200+ Pips Bewegung erzeugen und Spreads auf das Zehnfache aufweiten.

Reicht es, den EA kurz vor der News manuell zu pausieren?

In der Theorie ja, in der Praxis nicht zuverlässig. Du musst den genauen Zeitpunkt kennen, rechtzeitig am Rechner sein und den EA auch wieder aktivieren. Ein automatischer News-Filter ist robuster und macht den Betrieb auf einem VPS überhaupt erst vollständig autonom.

Verbessern News-Filter immer die Performance?

Nicht zwingend. Für Trend-EAs können starke News-Events sogar die profitabelsten Trades liefern. Es kommt auf die Strategie an: Scalper, Mean-Reversion-Systeme und Grid-EAs profitieren fast immer von einem News-Filter; directionaler Breakout-Trader weniger.