EA-Trading auf fremdem Kapital – ein anderes Risikoprofil
Eine Prop-Firm-Challenge zu bestehen bedeutet nicht, maximale Rendite zu erzielen – es bedeutet, innerhalb enger Drawdown-Grenzen ein Gewinnziel zu erreichen. Für EAs ändert das die gesamte Konfiguration: Statt maximaler Lotgröße und aggressiver Martingale-Skala zählen Disziplin, Regelkonformität und ein kaltstabiles Risikomanagement.
Diese Anleitung orientiert sich an FTMO (dem derzeit bekanntesten Anbieter) – die Prinzipien gelten weitgehend auch für andere Firms. Die konkreten Regelwerte ändern sich; vor dem Start immer die aktuellen Bedingungen des jeweiligen Anbieters lesen.
Schritt 1: Regelwerk komplett auslesen
Bevor du einen EA konfigurierst, musst du jeden Regelparameter kennen:
- Maximum Daily Drawdown (MDD): häufig 5 % des Startsaldos – kein einzelner Handelstag darf mehr als diesen Betrag ins Minus laufen.
- Maximum Overall Drawdown (MOD): häufig 10 % des Startsaldos – gilt für den gesamten Challengezeitraum.
- Profit Target: typischerweise 8–10 % in Phase 1, 5 % in Phase 2.
- Mindesthandelszeit: manche Firms verlangen eine bestimmte Anzahl an Handelstagen.
- Verbotene Strategien: Latenz-Arbitrage, HFT (sehr kurze Haltedauer < 1 Minute in Kombination mit hohem Volumen), Nacht-Scalping auf bestimmten Bedingungen.
- News-Restriktionen: viele Firms verbieten offene Positionen X Minuten vor und nach Hochimpakt-News.
Erstelle eine Checkliste und hake jeden Punkt für deinen EA ab.
Schritt 2: Lot-Sizing strikt regelkonform konfigurieren
Das ist der kritischste Punkt. Ein festes Lot ohne Anpassung ans Kontokapital ist das häufigste Einstiegsproblem.
Empfehlenswert: Risiko-basierte Lotberechnung (z. B. 0,5–1 % des Saldos je Trade).
Formel:
Lots = (Saldo × Risiko%) / (StopLoss_in_Pips × Pip-Wert)
Für ein 100.000-USD-Challenge-Konto mit 1 % Risiko und 20-Pip-SL auf EURUSD (1 Pip = ~10 USD/Lot):
Lots = (100.000 × 0,01) / (20 × 10) = 1.000 / 200 = 0,5 Lots
Entscheidend: Das MDD-Limit darf niemals in einer einzigen Handelssitzung durch zu große Lots gerissen werden. Baue eine harte Abschaltbedingung ein: Wenn der laufende Tages-Drawdown 3–4 % erreicht, stoppt der EA neue Orders bis zum nächsten Tag.
Schritt 3: News-Filter implementieren
Offene Positionen während Hochimpakt-News (NFP, Fed-Entscheidungen, EZB) können in Millisekunden den MDD sprengen.
Zwei Ansätze:
- Interner Kalender im EA: Viele fertige EAs haben einen eingebauten News-Filter. Prüfe, ob er zuverlässig ist und den richtigen Kalender-Feed nutzt.
- Externer Dienst: Dienste wie FXStreet oder Forex Factory stellen Kalender-APIs bereit. Der EA kann kurz vor News alle offenen Orders schließen und neue unterdrücken.
Wichtig: Den Filter in der Live-Challenge genauso betreiben wie im Test. Deaktivierst du den Filter auf dem Challenge-Konto, um während einer News-Zeit mehr Profit zu erzielen, ist das das typische Szenario für einen teuren Regelverstoß.
Schritt 4: Overnight- und Wochenendhaltung prüfen
Manche EAs halten Positionen über Nacht oder über das Wochenende. Prüfe:
- Entstehen durch Swap hohe Kosten, die das Profit Target belasten?
- Erlaubt die Firm Overnight-Haltung auf bestimmten Instrumenten?
- Besteht ein Gap-Risiko, das den Overall-DD reißt?
Für Swing-EAs auf Metalle oder Indizes ist die Wochenend-Gap-Problematik besonders relevant. Entweder schließt der EA Freitagabend alle Positionen, oder das Risikoprofil der Strategie muss Gap-Events einschließen.
Schritt 5: Testumgebung der Challenge simulieren
Teste den EA unter Challenge-Bedingungen – nicht unter Live-Bedingungen:
- Setze im Strategy Tester das Startkapital auf den Challengebetrag.
- Aktiviere alle Filter (News, DD-Halt) genau wie für die Challenge.
- Nutze den Spread des Prop-Firm-Kontos (nicht deines normalen Brokers – Prop-Firms arbeiten mit proprietären Servern).
- Führe einen Forward-Test auf einem Demo-Konto durch, das das Challenge-Konto möglichst genau abbildet.
Schritt 6: Die Challenge laufen lassen – und nicht eingreifen
Das größte Risiko nach dem Start ist menschliches Eingreifen. Häufige Fehler:
- EA manuell übersteuern, weil eine Phase schlecht läuft → Regelkonformität bricht zusammen
- Lots spontan erhöhen, um das Profit Target schneller zu erreichen → MDD-Gefahr steigt
- News-Filter deaktivieren → Regelverstoß
Ein EA, der für die Challenge konfiguriert wurde, soll autonom laufen. Vertrau ihm – oder pass die Konfiguration an, bevor du die Challenge startest.
Für einen stabilen Betrieb über die gesamte Challenge-Laufzeit ist ein zuverlässiger VPS unerlässlich. Die FTMO-Plattform selber läuft auf cTrader/MT5 – unsere Prop-Firm-Übersicht enthält die aktuellen Konditionen.
Fazit
Eine Prop-Firm-Challenge mit einem EA zu bestehen ist ein Engineering-Problem, kein Glücksproblem. Drei Punkte entscheiden über Erfolg oder Scheitern: sauberes risikobasiertes Lot-Sizing, ein zuverlässiger News-Filter und eine harte DD-Abschaltlogik. Die Strategie selbst muss bewiesen sein – eine ungetestete Strategie auf einem Challenge-Konto zu laufen ist der teuerste Weg, Gebühren zu zahlen.