Die vier Kennzahlen auf einen Blick
Vier Kennzahlen entscheiden, ob ein EA-Track-Record gut oder gefährlich ist: Der Profit-Faktor misst die Profitabilität (Bruttogewinn geteilt durch Bruttoverlust), der maximale Drawdown misst das Risiko (größter Rückgang vom Höchststand), und Sharpe- bzw. Sortino-Ratio messen das Verhältnis aus Rendite und Schwankung. Keine Zahl steht für sich allein: Ein hoher Profit-Faktor bei brutalem Drawdown ist nichts wert, und eine schöne Equity-Kurve über nur 30 Trades ist statistisch bedeutungslos. Wer diese vier Werte zusammen liest, erkennt seriöse Systeme zuverlässig von gefährlichen.
Profit-Faktor
Der Profit-Faktor (PF) ist die einfachste Profitabilitätskennzahl:
Profit-Faktor = Bruttogewinn ÷ Bruttoverlust
- PF = 1,0 → Gewinne und Verluste heben sich exakt auf (vor Kosten).
- PF > 1,0 → das System ist netto profitabel.
- PF zwischen 1,3 und 1,6 → für reale EA-Konten ein solider, nachhaltiger Bereich.
- PF > 2,0 → mit Vorsicht zu genießen: meist zu wenige Trades, Curve-Fitting oder Martingale-Effekte.
Wichtig: Der Profit-Faktor sagt nichts über das Risiko aus. Ein Grid-EA kann monatelang einen PF von 3,0 zeigen – bis ein einziger Tag das Konto auslöscht.
Maximaler Drawdown
Der maximale Drawdown (Max DD) ist der größte prozentuale Rückgang vom Höchststand (Peak) bis zum nachfolgenden Tiefpunkt (Trough):
Max DD = (Peak − Trough) ÷ Peak × 100
Er beantwortet die entscheidende Frage: Wie schlimm wurde es im schlimmsten Moment? Faustregeln:
- < 15 % → konservativ, gut nachts schlafbar.
- 15–30 % → typisch für aktivere EA-Strategien.
- > 40 % → aggressiv; nur tragbar, wenn man die Strategie wirklich versteht.
Eine wichtige Unterscheidung ist relativer Drawdown (in Prozent der Equity) vs. absoluter Drawdown (in Kontowährung). Für den Vergleich verschiedener Konten zählt fast immer der relative, prozentuale Drawdown.
Sharpe-Ratio
Die Sharpe-Ratio setzt die Überrendite ins Verhältnis zur Gesamtschwankung der Renditen:
Sharpe = (Rendite − risikofreier Zins) ÷ Standardabweichung der Renditen
Sie beantwortet: Wie viel Rendite bekomme ich pro Einheit Risiko? Grobe Orientierung: < 1 mäßig, 1–2 gut, > 2 sehr gut. Der Haken: Die Sharpe-Ratio bestraft jede Schwankung – auch positive Ausreißer nach oben. Ein System mit gelegentlichen großen Gewinnen wird dadurch zu Unrecht abgewertet.
Sortino-Ratio
Die Sortino-Ratio behebt genau diese Schwäche. Sie verwendet im Nenner nur die Downside Deviation – also nur die unerwünschte Abwärtsvolatilität:
Sortino = (Rendite − Zielrendite) ÷ Downside Deviation
Aufwärtsschwankungen werden nicht bestraft. Für Trading-Strategien ist die Sortino-Ratio deshalb meist aussagekräftiger: Sie misst das Risiko so, wie ein Trader es tatsächlich empfindet – Verluste tun weh, große Gewinne nicht.
Praxisbeispiel: So sehen die Zahlen live aus
Theorie ist gut, ein echtes Konto besser. Unser öffentliches Live-Multi-EA-Showcase zeigt ein read-only verbundenes Konto mit mehreren EAs. So liest du die Kennzahlen dort konkret:
- Profit-Faktor 1,53 → solide im nachhaltigen Bereich (1,3–1,6). Pro 1 € Verlust stehen 1,53 € Gewinn.
- Drawdown 22 % → aktiv, aber kontrolliert. Das Konto hat ein Verlust-Tal von 22 % durchlaufen und sich erholt – realistisch für ein Multi-EA-Setup.
- Zusammen ergeben diese Werte ein Bild, das weder zu schön (kein Curve-Fitting) noch zu riskant ist.
Genau diese Kennzahlen kannst du für dein eigenes Konto in der kostenlosen Portfolio-Analyse berechnen lassen – read-only verbunden über dein Investor-Passwort, ohne Handels- oder Auszahlungsrechte preiszugeben.
Häufige Fehlinterpretationen
- Zu wenige Trades. Kennzahlen aus < 100 Trades sind statistisches Rauschen. Seriös sind mindestens 200 Trades über mehrere Marktphasen.
- Backtest statt Live. Glänzende Backtest-Zahlen heißen nichts ohne verifizierten Live-Track-Record. Mehr dazu im Guide Backtesting & Forward-Testing.
- Kennzahlen isoliert lesen. Profit-Faktor ohne Drawdown ist die Hälfte der Geschichte.
- Korrelation ignorieren. Drei EAs mit je 20 % Drawdown können kombiniert weit mehr als 20 % bluten, wenn sie korreliert sind – siehe EA-Portfolio-Management.
Fazit
Drawdown, Profit-Faktor, Sharpe und Sortino sind keine Konkurrenten, sondern vier Blickwinkel auf dasselbe Konto: Profitabilität, Risiko und das Verhältnis beider. Wer sie gemeinsam und über genügend Trades liest, durchschaut Marketing-Kurven und erkennt, was wirklich tragfähig ist. Teste deine eigenen Zahlen in der Portfolio-Analyse.