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AlgoVerdict

Trading-Kennzahlen erklärt: Drawdown, Profit-Faktor, Sharpe & Sortino

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2026

Die vier Kennzahlen auf einen Blick

Vier Kennzahlen entscheiden, ob ein EA-Track-Record gut oder gefährlich ist: Der Profit-Faktor misst die Profitabilität (Bruttogewinn geteilt durch Bruttoverlust), der maximale Drawdown misst das Risiko (größter Rückgang vom Höchststand), und Sharpe- bzw. Sortino-Ratio messen das Verhältnis aus Rendite und Schwankung. Keine Zahl steht für sich allein: Ein hoher Profit-Faktor bei brutalem Drawdown ist nichts wert, und eine schöne Equity-Kurve über nur 30 Trades ist statistisch bedeutungslos. Wer diese vier Werte zusammen liest, erkennt seriöse Systeme zuverlässig von gefährlichen.

Profit-Faktor

Der Profit-Faktor (PF) ist die einfachste Profitabilitätskennzahl:

Profit-Faktor = Bruttogewinn ÷ Bruttoverlust

  • PF = 1,0 → Gewinne und Verluste heben sich exakt auf (vor Kosten).
  • PF > 1,0 → das System ist netto profitabel.
  • PF zwischen 1,3 und 1,6 → für reale EA-Konten ein solider, nachhaltiger Bereich.
  • PF > 2,0 → mit Vorsicht zu genießen: meist zu wenige Trades, Curve-Fitting oder Martingale-Effekte.

Wichtig: Der Profit-Faktor sagt nichts über das Risiko aus. Ein Grid-EA kann monatelang einen PF von 3,0 zeigen – bis ein einziger Tag das Konto auslöscht.

Maximaler Drawdown

Der maximale Drawdown (Max DD) ist der größte prozentuale Rückgang vom Höchststand (Peak) bis zum nachfolgenden Tiefpunkt (Trough):

Max DD = (Peak − Trough) ÷ Peak × 100

Er beantwortet die entscheidende Frage: Wie schlimm wurde es im schlimmsten Moment? Faustregeln:

  • < 15 % → konservativ, gut nachts schlafbar.
  • 15–30 % → typisch für aktivere EA-Strategien.
  • > 40 % → aggressiv; nur tragbar, wenn man die Strategie wirklich versteht.

Eine wichtige Unterscheidung ist relativer Drawdown (in Prozent der Equity) vs. absoluter Drawdown (in Kontowährung). Für den Vergleich verschiedener Konten zählt fast immer der relative, prozentuale Drawdown.

Sharpe-Ratio

Die Sharpe-Ratio setzt die Überrendite ins Verhältnis zur Gesamtschwankung der Renditen:

Sharpe = (Rendite − risikofreier Zins) ÷ Standardabweichung der Renditen

Sie beantwortet: Wie viel Rendite bekomme ich pro Einheit Risiko? Grobe Orientierung: < 1 mäßig, 1–2 gut, > 2 sehr gut. Der Haken: Die Sharpe-Ratio bestraft jede Schwankung – auch positive Ausreißer nach oben. Ein System mit gelegentlichen großen Gewinnen wird dadurch zu Unrecht abgewertet.

Sortino-Ratio

Die Sortino-Ratio behebt genau diese Schwäche. Sie verwendet im Nenner nur die Downside Deviation – also nur die unerwünschte Abwärtsvolatilität:

Sortino = (Rendite − Zielrendite) ÷ Downside Deviation

Aufwärtsschwankungen werden nicht bestraft. Für Trading-Strategien ist die Sortino-Ratio deshalb meist aussagekräftiger: Sie misst das Risiko so, wie ein Trader es tatsächlich empfindet – Verluste tun weh, große Gewinne nicht.

Praxisbeispiel: So sehen die Zahlen live aus

Theorie ist gut, ein echtes Konto besser. Unser öffentliches Live-Multi-EA-Showcase zeigt ein read-only verbundenes Konto mit mehreren EAs. So liest du die Kennzahlen dort konkret:

  • Profit-Faktor rund 2,1 (Stand September 2026) → über dem nachhaltigen Bereich von 1,3–1,6. Pro 1 € Verlust stehen gut 2 € Gewinn. Genau solche Werte verlangen den Blick auf die Trade-Anzahl: Bei wenigen Trades ist ein hoher Profit-Faktor noch keine Aussage.
  • Drawdown rund 9 % → das Konto hat ein Verlust-Tal von unter 10 % durchlaufen und sich erholt – für ein Multi-EA-Setup mit mehreren Strategien moderat.
  • Die Live-Werte auf der Showcase-Seite bewegen sich mit jedem Handelstag; entscheidend ist, dass Profit-Faktor und Drawdown zusammen ein Bild ergeben, das weder zu schön (kein Curve-Fitting) noch zu riskant ist.

Genau diese Kennzahlen kannst du für dein eigenes Konto in der kostenlosen Portfolio-Analyse berechnen lassen – read-only verbunden über dein Investor-Passwort, ohne Handels- oder Auszahlungsrechte preiszugeben.

Häufige Fehlinterpretationen

  • Zu wenige Trades. Kennzahlen aus < 100 Trades sind statistisches Rauschen. Seriös sind mindestens 200 Trades über mehrere Marktphasen.
  • Backtest statt Live. Glänzende Backtest-Zahlen heißen nichts ohne verifizierten Live-Track-Record. Mehr dazu im Guide Backtesting & Forward-Testing.
  • Kennzahlen isoliert lesen. Profit-Faktor ohne Drawdown ist die Hälfte der Geschichte.
  • Korrelation ignorieren. Drei EAs mit je 20 % Drawdown können kombiniert weit mehr als 20 % bluten, wenn sie korreliert sind – siehe EA-Portfolio-Management.

Fazit

Drawdown, Profit-Faktor, Sharpe und Sortino sind keine Konkurrenten, sondern vier Blickwinkel auf dasselbe Konto: Profitabilität, Risiko und das Verhältnis beider. Wer sie gemeinsam und über genügend Trades liest, durchschaut Marketing-Kurven und erkennt, was wirklich tragfähig ist. Teste deine eigenen Zahlen in der Portfolio-Analyse.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Profit-Faktor?

Ein Profit-Faktor über 1,0 bedeutet, dass das System unterm Strich Gewinn macht. Werte zwischen 1,3 und 1,6 gelten für reale EA-Konten als solide und nachhaltig. Werte über 2,0 sind selten echt und deuten oft auf zu wenige Trades, Curve-Fitting oder Martingale-Effekte hin.

Was bedeutet maximaler Drawdown?

Der maximale Drawdown ist der größte prozentuale Rückgang vom Höchststand (Peak) bis zum darauffolgenden Tiefpunkt (Trough). Er beschreibt das größte Verlust-Tal, das ein Konto bisher durchlaufen hat – die wichtigste Kennzahl für das tatsächlich gefühlte und reale Risiko.

Was ist der Unterschied zwischen Sharpe- und Sortino-Ratio?

Beide messen Rendite pro Risikoeinheit. Die Sharpe-Ratio bestraft jede Schwankung – auch nach oben. Die Sortino-Ratio bestraft nur die Abwärtsvolatilität (Downside Deviation) und ist damit fairer für Strategien mit gelegentlichen starken Gewinnen. Für Trading-Systeme ist Sortino meist aussagekräftiger.

Welche Kennzahl ist die wichtigste?

Es gibt keine einzelne Wunderzahl. Profit-Faktor zeigt die Profitabilität, der maximale Drawdown das Risiko, Sharpe/Sortino das Verhältnis aus beidem. Erst zusammen – und über eine ausreichende Anzahl Trades – ergeben sie ein verlässliches Bild.