Rohspread + Kommission = die einzige Zahl, die zählt
Wenn Broker mit „Spreads ab 0,0 Pips" werben, klingt das attraktiv – aber die Wahrheit steckt in der zweiten Zeile des Preisangebots. Raw-Spread-Konten liefern den Interbankenspread nahezu unverfälscht, erheben dafür eine feste Kommission pro Lot. Diese Gesamtkosten – Rohspread plus Kommission – sind die einzig relevante Vergleichsgröße für jeden EA-Trader, Scalper oder Daytrader.
Ein EUR/USD-Beispiel: 0,0-Pips-Rohspread + 7,00 USD Round-Turn-Kommission (3,50 USD pro Seite) entsprechen bei einem Standard-Lot (100.000 EUR) effektiv 0,7 Pips. Bei 0,1-Pips-Rohspread + 6,00 USD Roundtrip sind es ~0,7 Pips. Klingt identisch – ist es nicht, weil sich die Zusammensetzung ändert: Skaliert man auf 0,5-Lot-Mikro-EAs, schrumpft der Spreadvorteil, die Kommission bleibt fix.
Versteckte Kosten wie Requotes, erhöhte Swaps und versteckte Markups auf den Rohfeed können Kostenvorteile schnell egalisieren. Unser Vergleich bewertet daher nicht nur den Nennspread, sondern die gesamte Kostenstruktur inklusive Ausführungsqualität – denn ein nominell günstiger Broker mit häufigen Requotes und 2-Pips-Slippage ist teurer als ein nominell teurerer Broker mit sauberer Ausführung.
Was Raw/ECN-Broker von Standard-Konten unterscheidet
Klassisches Standard-Konto (No-Commission): Der Broker baut seinen Gewinn direkt in den Spread ein. Typisch sind 0,8–1,6 Pips auf EUR/USD bei einer aufgeblasenen Ask-Bid-Schere. Vorteil: keine sichtbare Kommission. Nachteil: höhere effektive Kosten, besonders bei Scalping-Frequenzen.
Raw-/ECN-Konto: Der Rohspread vom Liquiditätsgeber wird nahezu unverändert durchgereicht, dafür fällt eine transparente Kommission an. Diese liegt bei den besten Brokern zwischen 2,00 und 3,50 USD pro Lot und Seite. Der Vorteil: volle Kostentransparenz, klare Kalkulierbarkeit für EAs mit festen Lot-Größen.
ECN-Tiering (Prime, PRO, Institutional): Einige Broker bieten ab bestimmten Volumenmarken oder Einlagenhöhen Zugang zu günstigeren Tiers. Bei RoboForex kostet das Prime-Konto rund 1,00 USD/Seite, das ECN-Konto ~2,00 USD; Vantage bietet ein PRO-ECN-Konto mit 1,50 USD/Seite. Wer regelmäßig hohe Lotmengen handelt, sollte explizit nach solchen Tiers fragen.
Swaps als unsichtbare Kosten. Overnight-Positionen zahlen Swap-Zinsen, die – je nach Zinsdifferential und Broker-Markup – den Spread-Vorteil auf Wochen- oder Monatssicht teilweise aufheben können. Für EAs, die overnight halten (z. B. Swing-EAs), ist der Swap-Satz genauso kritisch wie der Spread.
Kostenvergleich der stärksten Raw/ECN-Broker
IC Trading liegt auf dem Raw-Konto bei 3,50 USD/Lot/Seite (MetaTrader) bzw. 3,00 USD (cTrader). Bei einem typischen EUR/USD-Spread von 0,0–0,1 Pips bedeutet das effektive Gesamtkosten von ~0,6–0,7 Pips – Spitzenklasse im Markt. Die IC-Trading-Review zeigt alle Details.
FP Trading bietet auf dem Raw-Konto 3,00 USD/Lot/Seite – damit leicht unter IC Trading – bei ähnlicher Spread-Qualität. Das macht FP Trading zu einem der kosteneffizientesten Optionen, wenn man die Offshore-Regulierung einpreist. Zum FP-Trading-Test.
RoboForex sticht mit dem Prime-Konto hervor: ~1,00 USD/Lot/Seite Kommission – die niedrigste Einzelkommission im Vergleich. Dafür sind Rohspreads auf dem ECN-Konto (~2,00 USD/Seite) minimal höher. Für volumenstarke Scalping-EAs kann das Prime-Modell rechnerisch unschlagbar günstig sein. RoboForex-Bewertung.
Vantage PRO ECN berechnet 1,50 USD/Lot/Seite – und damit eines der günstigsten Tier-1-regulierten Angebote (ASIC/FCA) am Markt. Vantage im Detail.
Welcher Spread-Typ passt zu welcher EA-Strategie?
- Scalping-EAs (M1–M5, viele Roundtrips): Raw/ECN-Konto unbedingt; Kommissionsstruktur entscheidend. Ziel: effektive Kosten unter 0,7 Pips auf EUR/USD.
- Trendfolgend / Swing (H1–H4, wenige Trades): Standard-Konto kann unter Umständen billiger sein, wenn nur 1–2 Trades pro Woche stattfinden. Kalkulation im Backtesting zwingend.
- Grid/Martingale-EAs: Jeder Pip zählt exponentiell. Raw-Konto + niedrigste Kommission = Pflicht.
- Nachrichtenbasierte EAs: Spread-Spikes bei Ereignissen können das Konto belasten; prüfe, ob der Broker Markups auf den Feed aufschlägt und ob ein News-Filter sinnvoll ist.


