AlgoVerdict

Was macht einen guten Forex-EA aus? Bewertungskriterien & Red Flags

Ein guter EA ist ein Risiko-Profil, keine Rendite-Maschine

Die meisten Käufer eines Expert Advisors fragen zuerst: „Wie viel Prozent macht der?" Das ist die falsche Frage. Jede Rendite lässt sich durch höheres Risiko aufblasen — bis zum Totalverlust. Die richtige Frage lautet: „Wie viel Risiko trägt dieser EA für jede Einheit Rendite, und ist sein Edge echt?"

Dieser Guide gibt dir ein Raster, mit dem du jeden EA — kommerziell gekauft oder selbst gebaut — anhand der gleichen objektiven Kriterien bewertest. Grundlage sind die zentralen Trading-Kennzahlen; hier geht es um ihre praktische Anwendung bei der EA-Auswahl.

Kriterium 1: Out-of-Sample- und Forward-Ergebnisse

Das ist das Knockout-Kriterium. Ein Backtest allein beweist nichts — er zeigt nur, dass sich Parameter an die Vergangenheit anpassen lassen.

Kriterium 2: Drawdown im Verhältnis zur Rendite

Eine Rendite ohne Drawdown-Kontext ist wertlos. Zwei zentrale Maße:

Frage immer: Hättest du den tiefsten Drawdown in der Historie durchgehalten, ohne den EA abzuschalten? Wenn nicht, ist der EA zu aggressiv für dich — unabhängig von der Rendite.

Kriterium 3: Profit-Faktor und Trade-Verteilung

Der Profit-Faktor (Bruttogewinn / Bruttoverlust) ist nützlich, aber leicht zu manipulieren.

| Profit-Faktor | Einordnung | |---|---| | < 1,1 | Edge zu dünn, von Kosten aufgefressen | | 1,3 – 1,8 | Realistisch und nachhaltig | | > 2,5 (über viele Trades) | Selten ehrlich — Curve-Fitting oder Grid/Martingale prüfen |

Entscheidend ist die Trade-Verteilung: Stammt der Gewinn aus vielen ähnlich großen Trades oder aus wenigen Ausreißern? Hängt der gesamte PF an drei Glückstrades, ist er nicht reproduzierbar.

Kriterium 4: Handelsfrequenz und Stichprobengröße

Ein EA mit 12 Trades pro Jahr braucht Jahrzehnte, um statistisch belastbar zu sein. Ein Scalper mit 2.000 Trades liefert in Monaten eine valide Stichprobe — handelt aber spread- und slippage-empfindlicher.

Beziehe die Frequenz immer auf den Broker: Ein hochfrequenter EA scheitert bei einem teuren Broker, selbst wenn die Logik gut ist. Siehe dazu den Broker-Vergleich für EA/Algo-Trading.

Kriterium 5: Robustheit

Robustheit bedeutet, dass der Edge nicht von einer exakten Parameterkonstellation abhängt.

Kriterium 6: Money-Management

Wie skaliert der EA die Lotgröße?

Red Flags: Woran du einen problematischen EA erkennst

Fazit

Ein guter Forex-EA zeichnet sich nicht durch hohe Rendite aus, sondern durch ein gesundes Verhältnis von Rendite zu Drawdown, einen über Out-of-Sample und Forward-Test belegten Edge, eine ausreichend große Trade-Stichprobe und ein transparentes, risikobasiertes Money-Management. Wer nach diesem Raster prüft, sortiert den Großteil der Marketing-Produkte aus, bevor das erste Echtgeld fließt. Der nächste Schritt ist, geprüfte EAs sinnvoll zu kombinieren — wie das geht, zeigt der Guide zum EA-Portfolio-Management.